Wie du das Egogramm für die Persönlichkeitsentwicklung nutzen kannst

Episode 039

Wir unterhalten uns über das Egogramm und stellen verschiedene Möglichkeiten vor, wie du es nutzen kannst.


Shownotes

Egogramm (Beispiel)

 

Egogramm-Formular (PDF)

So erstellst du ein Egogramm (Youtube-Video von Steffen Raebricht)

Egogramm – Fragen zur Reflexion (PDF)

Online Egogramm-Fragebogen auf touchdown.ch

TA-Tool: Das Egogramm – von Renate und Ulrich Dehner
(ManagerSeminare-Trainerkoffer – 10 Euro)

 


Unser Gespräch

Christin: Ja, hallo.

Jürg: Hallo Christin. Und hallo ihr da draußen.

Christin: Genau, ihr lieben Zuhörer, seid ihr alle vom Urlaub wieder zurückgekehrt?

Jürg: Ja, diejenigen, die waren. Ich war ja nicht wirklich im Urlaub.

Christin: Genau

Jürg: Außer in Berlin. Also doch, in Brüssel war ich auch noch, mit meiner Tochter. Und Berlin war auch ein bisschen wie Urlaub, oder?

Christin: Schon. Find ich auch, ja.

Jürg: Es war ja Weltkongress – für diejenigen, die das noch nicht wissen. Und wir haben auch ein bisschen Urlaub Stimmung genossen.

Christin: Zumindest auch abends. Wir waren zentral in der Stadt, da konnte man sich schön bewegen und es war schönes Wetter. Die Sonne genießen, die Umgebung genießen.

Jürg: Ja, und was ich an diesen Kongressen schon schätze, ist, auch einfach mal Zeit zu haben, mit Leuten die man sonst nicht so oft trifft.

Christin: Ja.

Jürg: Also auch wir zwei. Wir verbringen ja viel Zeit miteinander, online.

Christin: Mhm.

Jürg: Uns wiedermal live zu sehen… Oder der Steffen, mit dem ich den Online Grundkurs mache. Wir haben uns zum ersten Mal live gesehen und dann gleich einen Workshop gehalten, das ist schon auch toll.

Christin: Ja, das war toll genau. Ich habe Steffen auch das erste Mal kennengelernt.

Jürg: Für mich war Stephen Karpman auch sehr spannend.

Christin: Mhm.

Jürg: Der Raum war zwar überfüllt. Ich hatte irgendwie 50 Quadratzentimeter Platz für mich, gefühlt.

Christin: Hahaha, ja.

Jürg: Und es war wirklich spannend mal jemanden zu erleben, der live mit Eric Berne in der Anfangsphase dabei war.

Christin: Ja.

Jürg: Er hat dann auch erzählt, wie es gewesen war, an diesem Treffen mit Berne. Und das fand ich schon sehr interessant.

Christin: Ja.

Jürg: Und da ist mir auch nochmal diese Fähigkeit bewusstgeworden, die Eric Berne auch hatte. Nicht nur, neue Ideen zu entwickeln, sondern auch Leute zu unterstützen, diese jungen Typen von damals. Die Ideen hatten, von Dramadreieck und so weiter. Diese zu unterstützen und zu begleiten. Das fand ich dann wirklich sehr spannend.

Christin: Mhm, ja.

Das Egogramm von Jack Dusay

Jürg: Oder da haben wir heute auch gleich das Thema „Egogramm“. Das war ja auch so ein junger Typ, der John Dusay, oder wie spricht man diesen Namen aus? Weißt du das?

Christin: „Dasey“ sagen wahrscheinlich die Amerikaner.

Jürg: Klingt vom Ursprung schon irgendwie so französisch, aber ich weiß es nicht. Das spielt auch nicht so eine große Rolle. Und der hat das Egogramm entwickelt. Was mir beim Workshop mit Stephen Kaprman so bewusstgeworden ist: die haben nicht einfach im stillen Kämmerchen ihre Modelle entwickelt, sondern haben das immer wieder eingebracht und sich auch gegenseitig beteiligt mit den Ideen. Also da ist dann der John Dusay in die Gruppe gekommen und hat gesagt: „Ich habe die Idee vom Egogramm.“ Und da hat vielleicht der Karpman gesagt: „Ach, das könnte man noch …“ Und Claude Steiner: „Und so…“ usw. Also das waren nicht Einzelkämpfer, sondern die haben ihre Ideen im Gespräch miteinander entwickelt.

Christin: Ja, und was ich noch spannend fand: wenn man es nicht aufmalen kann – ich sag jetzt mal in meinen Worten – dann ist es noch nicht reif oder dann ist es kein Konzept. Ja, also das spricht mir sehr aus dem Herzen.

Jürg: Ja, und das soll Eric Berne wirklich so als Regel gesagt haben: „Wenn du‘s nicht aufzeichnen kannst, musst du es gar nicht bringen.“ Ich glaube das hat damit zu tun, dass er keine Theoretiker heranzüchten wollte, sondern Leute, die Modelle für die Praxis entwickeln.

Christin: Ja.

Jürg: Oder die sich eben aufzeichnen lassen, damit man sie gut erklären und verstehen kann.

Christin: Ja.

Jürg: Deshalb haben wir so viele geniale Modelle, die man gut und einfach aufzeichnen kann. Wie eben auch das Egogramm, auf das wir hier in dieser Episode zusprechen kommen. Bzw. nicht primär nur auf das Egogramm als solches, sondern speziell mit dem Fokus: wie lässt sich das Egogramm nutzen für die persönliche Entwicklung? Entweder für die eigene oder auch für Leute, die du begleitest als Coach, als Trainer, als Sozialarbeiter, wo auch immer du im Einsatz bist.

Christin: Mhm, genau. Das Modell basiert auf den Ich-Zuständen. Es ist jetzt gekippt, wenn man es auch mal veranschaulichen möchte. Die Ich-Zustände liegen sozusagen und werden in Säulen gezeichnet. Was damit zu tun hat, dass man eben die Energie darstellen möchte oder wie viel davon sozusagen spürbar, erlebbar, sichtbar ist.

Jürg: Und das lässt sich dann anwenden. Ich kann spezielle Bereiche meines Lebens fokussieren. Also ich kann sagen, ich zeichne mal ein Egogramm für meinen Beruf, Berufsalltag, Privatleben. Ich habe manchmal die Tendenz zu sagen, es gibt eine Art Grund-Egogramm. Also meine Persönlichkeit, wie die ist. Und das Berufliche ist oftmals schon eine Form der Anpassung.

Christin: Mhm, Mhm, ja.

Jürg: Ich zeige in meinem Beruf gewisse Verhaltensweisen, weil die einfach dazu gehören. Die kann ich aktivieren. Im Privatleben zeige ich das weniger. Weil sie aber zum Beruf das dazu gehören, kann ich sie dort aktivieren.

Christin: Ja, ja.

Jürg: Und deshalb kann es sein, dass es abweicht. Wenn ich eins für privat mache und eins für Beruf. Oder vielleicht sogar innerhalb vom Beruf. Für verschiedene Rollen oder Funktionen, die ich einnehme, sehen die Egogramme anders aus.

Intuitives Instrument für Selbstbild und Fremdbild

Christin: Wenn ich das Egogramm nutze – in Weiterbildungsgruppen oder in einem Führungstraining – dann frage ich die anderen oder lade sie ein, als Gruppenübung von den anderen ein Egogramm zu erstellen. So habe ich die Chance, die Egogramme zu vergleichen. Dann wird das selbsterstellte möglicherweise anders aussehen, als dasjenige der anderen – wenn die Leute mich in der Rolle als Führungskraft oder in einer Weiterbildungsgruppe erleben.

Jürg: Genau. Das erlebe ich oft auch in Kursen und Seminaren, wenn ich das mache: Selbstbild und Fremdbild. Oft ist beispielsweise der Balken für das angepasste Kind-Ich im Fremdbild höher. Weil in einem Kurs einfach auch eine angepasste Atmosphäre ist. Man kennt sich nur in diesem Rahmen, wo gewisse Vorgaben da sind. Und es ist dann immer spannend zu sehen, wie erleben mich die anderen. Immer in Bezug zum Kontext.

Christin: Ja.

Jürg: Und da habe ich übrigens, bei Leonhard Schlegel im Handwörterbuch gelesen, dass das Egogramm genau genommen dasjenige Diagramm ist, das durch Beziehungspersonen verfertigt wird. Dasjenige, das ich selber zeichne, nennt er Psychogramm.

Christin: Ja, da hat er diese Unterscheidung, genau.

Jürg: Ich weiß nicht, ob das schon von Dusay herkommt. Für mich ist es einfacher, es Egogramm zu nennen. Ich zeichne es für mich oder kann es von andern für mich zeichnen lassen und dann vergleichen.

Christin: Ja, ja. Und hier wird auch nochmal deutlich: es ist intuitiv. Ich zeichne es für mich intuitiv auf und die anderen machen es ja auch sehr intuitiv. Damit bildet sich auch gleichzeitig die Beziehung ab. Es ist nicht die Wahrheit, sondern es sind unterschiedliche Perspektiven. Weil du jetzt gerade gesagt hast, angepasstes Kind, als ein hilfreicher Teil in dieser Gruppe. Möglicherweise wird sich das Egogramm auch, wenn es die Gruppe am Ende der Ausbildung macht, nochmals anders aussehen, weil andere Aspekte sichtbar und erlebbar sind.

Jürg: Mhm.

Christin: Woraus ich wiederum – da sind wir dann schon beim Thema Veränderung – was ableiten kann: was habe ich in dieser Gruppe bereits verändert. Oder wo sagen die anderen, du darfst davon ruhig mehr zeigen.

Jürg: Ja, und noch zum Thema „intuitives Instrument“: manchmal ist es auch gut, wenn du nicht zu viele Informationen von jemandem hast oder diese nicht miteinbeziehst. Ich hatte mal in einem 101-Kurs einen Arzt und habe dann auch diese Übung gemacht, dass sie Fremdbilder füreinander erstellt haben. Und da haben ihm die Leute ein sehr großes, fürsorgliches Eltern-Ich zugeschrieben. Er bei sich ein sehr kleines. Und als wir das dann diskutiert haben, haben die anderen gesagt: „Ja, wir haben gedacht als Arzt musst du doch fürsorglich sein.“

Christin: Ah!

Jürg: Das heißt sie sind abgewichen von ihm als Person und haben etwas hineingezogen, …

Christin: die Rolle

Jürg: … was sie wussten. Und dann ihre Interpretationen mit hineinbezogen. Und da ist es hilfreich, möglichst auszublenden, was ich sonst noch von jemandem weiß und darauf schauen, wie erlebe ich diese Person im direkten Kontakt.

Christin: Da sind wir wieder bei der Idee der Ich-Zustände im Erleben. Also was erlebe ich an Fühlen, Denken und Verhalten. Nicht die Rolle, ich erlebe den ja nicht als Arzt. Sondern was erlebe ich von ihm in der Weiterbildungsgruppe an Reaktionen, an Gedanken die derjenige ausspricht. Und was ist daraufhin meine Idee oder Intuition.

Jürg: Ja.

Christin: Oder wirklich auch nochmal zu verstärken. Das Bauchgefühl, was für ein Bauchgefühl hab ich bei dem bezüglich kritischem Eltern-ich oder fürsorglichem Eltern-ich?

Jürg: Dann gibt es ja auch Tests, die du machen kannst. Irgendwelche Fragen beantworten und das Ergebnis ist dann ein Egogramm. Da gibt es mittlerweile auch Online-Möglichkeiten. Die können wir verlinken in den Shownotes. Du kannst es dir dann mal anschauen. Bei den Tests bin ich manchmal etwas kritisch, ich erlebe oft das Leute einem Test, oder dem Ergebnis eines Tests mehr vertrauen als der eigenen Intuition.

Christin: Ja.

Jürg: Ich denke, so ein Test kann eine gute Ergänzung sein – ähnlich wie ein Fremdbild – auch nochmal zu schauen, wie stark deckt sich das mit meinem Ergebnis oder dem anderer. Und das ist mit gewisser Vorsicht zu genießen. Es könnte sein, dass derjenige, der den Test verfasst hat, bei einer Frage oder einer Aussage den Inhalt anders definiert als du, der du den Test ausfüllst. Und dann gibt es natürlich eine Abweisung im Resultat.

Christin: Genau. Also das finde ich auch nochmal ganz wichtig, das Egogramm wiederspiegelt nicht die komplette Persönlichkeit, es wiederspiegelt erstmal die Ich-Zustände.

Jürg: Ja.

Christin: Das heißt, es ist meine Ausgangsbasis. Es ist eine Anregung, darüber nachzudenken. Das ist ein gewisser Ich-Zustand. So erlebe ich mich. Vielleicht merke ich, dass ich deswegen in der Situation X, Y immer wieder Schwierigkeiten habe. Und gleichzeitig fallen mir deswegen die Situationen X, Y, Z leicht. Das einfach mal als Ausgangsbasis zu nehmen und das dann mit Beispielen und Situationen füllen, ja?

Persönliche Entwicklung und Veränderung

Jürg: Mhm. Es kann auch sein, dass ich heute ein Egogramm von mir zeichne und in einem Jahr sieht es schon anders aus. Da sind wir beim eigentlichen Thema dieser Episode: wie kann ich das Egogramm für persönliche Entwicklung oder Veränderungen nutzen? Da erstmal die Frage: lässt sich eine Persönlichkeit, die ja ein Stück weit auch mit dem Egogramm abgebildet wird, verändern? Was meinst du?

Christin: Das ist immer wieder eine spannende Diskussion. Wenn ich jetzt bei den Ich-Zuständen bleibe und sie wie einen Gegenstand sehe, dann ist die Frage, kann ich das überhaupt verändern. Wenn ich das in der Kombination sehe mit Skript, Glaubenssätzen. Mit wie gesagt auch Fühlen, Denken und Verhalten, dann gibt es genug Ansätze, an denen ich ansetzen kann und mit denen ich umgehen kann. Ja, das lässt sich verändern, weil ich reagiere auf… Und dann breche ich es runter auf Situationen. Vielleicht auch auf mögliche Glaubenssätze dahinter, mögliches angelerntes Verhalten dahinter und das wiederum kann ich verändern.

Jürg: Ja, das glaub ich auch. Wenn keine Veränderung möglich wäre – oder Entwicklung, dann müssten wir unsere Arbeit als Coach, als Erwachsenbildner, Berater oder wo auch immer wir im Einsatz sind, nicht mehr tun. Dann ist auch die Frage ob es die Transaktionsanalyse überhaupt brauchen würde.

Christin: Haha, genau.

Jürg: Ich glaube wir werden uns nicht komplett um 180 Grad verändern können. Das ist ja auch nicht das Ziel. Ich sage immer: „Schau mal, wenn es Themen gibt, mit denen du nicht zufrieden bist, setz dort an.“

Christin: Genau.

Jürg: Und da ist es möglich – wenn wir das Egogramm nehmen – das auch sichtbar zu machen. Wenn ich zurückblicke auf meine Zeit vor TA-Ausbildung, hätte mein Egoramm anders ausgesehen als heute. Die Grundstruktur wäre wahrscheinlich ähnlich gewesen. Und gewisse Themen konnte ich verändern. Und da wollen wir mal hinschauen. Da haben wir mal drei Schritte oder drei Möglichkeiten, die wir dir vorstellen möchten, um zu schauen, wie du das Egogramm zur Veränderung nutzen kannst.

Schritt 1: Akzeptieren und Stärken sehen

Christin: Also Schritt 1 habe ich schon angedeutet. Das Egogramm sehen und akzeptieren als eine Art Ist-Zustand. Zu sagen: das ist mein Gewordensein.

Jürg: Ja.

Christin: Und vielleicht auch meine unterschiedlichen Rollen. Daran wird auch schon deutlich, dass Veränderung möglich ist, weil ich mich in unterschiedlichen Rollen unterschiedlich verhalte, ja?

Jürg: Ja.

Christin: Also diesen Ist-Zustand mal zu nehmen und zu sagen: Aha. Was heißt das denn, wenn hier ein kleiner Balken für den freien Kind-Ich-Zustand ist? Oder wenn ich einen hohen Balken beim fürsorgliches Eltern-Ich habe? Also welche Chancen liegen darin, welche Stärken sind da drin und was heißt das?

Jürg: Genau und das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Wenn ich an den Anfang der TA-Ausbildung zurückdenke, habe ich mir damals einen sehr hohen Anteil angepasstes Kind-Ich gezeichnet. Und ich war nicht wirklich glücklich und zufrieden damit. Nun lief es zuerst mal darüber, dies zu akzeptieren, zu sagen: das ist ein Teil von mir.

Christin: Ja.

Jürg: Bei mir war es beispielsweise so, dass ich in Sitzungen war und ich hatte keine eigene Meinung. Ich saß oft einfach ruhig da. Und das hat mich begonnen zu stressen. Irgendwann habe ich dann auch Rückmeldungen erhalten, wo Leute gesagt haben: „Hey das ist so gut, wenn du dabei bist, du bist so ein ruhiger Pol. Auch wenn es hektisch zu und her geht, bringst du etwas Beruhigendes rein in diese Gruppe. Und da habe ich dann mal gesehen: okay, ich bin nicht zufrieden – und das ist ja auch gut so, ich will ja etwas verändern, ich will ich entwickeln. Und auf er anderen Seite hat es eben auch Vorteile und Stärken.

Christin: Ja.

Jürg: Ich konnte dann diesen hohen Anteil an Anpassung auch plötzlich als Stärke sehen und sagen: okay, da habe ich etwas zu bieten, etwas zu geben. Es war dann nicht mehr ein Feindbild, das ich unbedingt bekämpfen musste.

Christin: Ja und es wird so schön deutlich, dass es beide Seiten hat. Einerseits kann ich immer wieder zurück auf sozusagen meinen Charakter. Und ich addiere etwas hinzu, was vielleicht auch nochmal eine andere Idee ist von Veränderung, nicht ausradieren, wegradiere, wegnehmen, sondern eigentlich die Optionen zu erweitern.

Jürg: Mhm.

Christin: Ja.

Jürg: Und da schlägst du jetzt gleich die Brücke zu unserem nächsten Schritt. Der erste Schritt war, dein Egogramm so zu akzeptieren, wie es ist. Im Sinne von: es gibt auch Gutes dabei. Es sind auch Stärken damit verbunden.

Christin: Genau.

Schritt 2: Was willst du stärken?

Jürg: Und der zweite Schritt, wenn du bezüglich Egogramm etwas verändern willst, also wenn du beispielsweise sagst, du möchtest weniger Anpassung. Dann ist die Frage: wovon will ich mehr? Irgendetwas muss ja anstelle dieses Wenigers sein. Bei mir war das konkret so, dass ich beim freien Kind-ich angesetzt habe, das ich relativ tief eingezeichnet hatte. Ich war eingespannt in Beruf, Familie usw. Da habe ich mal geschaut, wie kann ich etwas tun, das mein freies Kind-Ich stärkt. Ich habe verschiedene Dinge ausprobiert, unter anderem habe ich drei Jahre lang einen Schauspielkurs besucht, der mir sehr gut getan hat. Und so ist es mir gelungen, den freien Kind-Ich-Anteil zu steigern und dadurch ist automatisch auch der angepasste Teil zurückgegangen.

Christin: Ja, gut.

Jürg: Wenn ich heute das Egogramm zeichne, ist Anpassung immer noch ein wichtiger Teil, aber nicht mehr dermaßen extrem, wie sie vielleicht vor 20 Jahren noch gewesen ist.

Christin: Ja.

Jürg: Dafür ist das freie Kind-ich höher als damals.

Christin: Das ist ein tolles Beispiel. Ich denke, da wird auch nochmal so deutlich, dass es auch heißt, um die Ecke zu denken. Und nicht zu sehr starr und eng da dran zu kleben, das freie Kind muss sich jetzt erhöhen indem ich – was weiß ich – in der Situation oder in der Rolle mehr freies Kind ich zeige. Es kann sein, dass ich eben so einen Kurs mache, der nicht direkt damit zu tun hat. Der mir aber vielleicht Spaß macht und der einfach die Kreativität steigert und heraus holt.

Jürg: Ja. Und da ist auch noch einmal wichtig: das Egogramm ist ja nur ein Hilfsmittel. Oder ein Versuch, etwas darzustellen – nämlich unsere Persönlichkeit – die man nie in Diagrammen abschließend darstellen kann.

Christin: Ja.

Jürg: Aber es gibt einen Anhaltspunkt, zu schauen, wo ich etwas verändern will. Wo kann ich etwas tun? Wo kann ich etwas stärken? Und das ist dann der zweite Schritt: zu schauen, was will ich entwickeln? Wie kann ich das tun? Wo kann ich das einsetzen? Wo kann ich mir Zeit dafür nehmen?

Christin: Ja, genau. Also ich finde das nochmal spannend:  zu sagen ich nehme nicht etwas weg, sondern ich nehme etwas hinzu. Was will ich stärken? Und um die Ecke zu denken, kreativ zu sein, das find ich ein ganz, ganz wichtiger Punkt.

Jürg: Mhm. Gut, ich schaue jetzt schon ein bisschen auf die Zeit und ich denke wir gehen jetzt weiter zum Schritt drei. Damit wir den auch noch reinkriegen in diese Episode.

Schritt 3: Braucht es eine Veränderung der Situation?

Christin: Ja den haben wir auch schon angedeutet: wo zeige ich welchen der Ich-Zustände stärker, wo fällt es mir leichter, was passt zu den Situationen, in denen ich auch bin.

Jürg: Mhm. Und da gehört für mich auch dazu: wo kommt „mein Egogramm“ – so in Anführungszeichen-, also meine Persönlichkeit gut zur Geltung oder wo hindert eine Situation, mich zu entwickeln. Da kann ich auch wieder aus meiner Situation berichten. Ich hab dann mal in so einer Sitzung – durch meine Entwicklung – auch einen Beitrag geleistet. Ich habe mal etwas gesagt. Und die andern? Die haben weiter diskutiert, als wenn ich nichts gesagt hätte. Das war dann erst mal frustrierend. Ich habe gemerkt, es ist schwierig. Ich war in einem Unternehmen – im ganzen waren es 10 Jahre. In dieser Zeit habe ich mich entwickelt. Doch für einige war ich immer noch der gleiche, der ich früher war. Oder sie wollten mich in dieser Rolle haben.

Christin: Mhm.

Jürg: Das hat unter anderem auch dazu geführt, dass ich dort weggegangen bin. Weil ich gemerkt habe, ich passe da nicht mehr rein. Beziehungsweise, es ist nicht mehr kompatibel, so wie ich jetzt bin und so wie sie mich gerne haben möchten.

Christin: Mhm.

Jürg: So kann das Egogramm auch genutzt werden, um zu schauen – wenn ich merke, ich bin nicht ganz zufrieden, nicht ganz glücklich in meiner Situation, beruflich meistens – kommen denn da meine Stärken auch zur Geltung? Kann ich das, was ich will auch gut einsetzen? Und gibt es da eventuell Veränderungsbedarf? Das muss jetzt nicht gleich sein, dass ich die Kündigung einreiche. Einfach mal schauen, welche Lösungen es gibt.

Christin: ja.

Jürg: Bis aber hin auch zu sagen, ich brauche eine Veränderung. Es braucht etwas Neues, damit ich in meiner Entwicklung auch weitergehen kann.

Christin: Ja. Also das ist das Thema „Passung“. Inwiefern passe ich? In diese Rolle, in diesen Beruf, in dieses Unternehmen? Oder inwiefern passt es für mich gerade privat? Zum Beispiel könnte ich ja auch sagen: „Mensch in meinem Freundeskreis, da kann ich grad …“, bleiben wir mal mal beim freien Kind, „… da kann ich mein freies Kind gar nicht so zeigen.“ Weil alle Freunde oder sehr viele Freunde eher – was weiß ich – immer nur in die Oper gehen oder so.

Jürg: Mhm.

Christin: Und danach darüber sehr im Erwachsenen-Ich oder im Eltern-Ich diskutieren. Ein Beispiel – weit hergeholt – um mal zu verdeutlichen, was heißt es denn auch privat. Wie passt denn da vielleicht etwas nicht? Oder wie merke ich, dass ich vielleicht meinen Freundeskreis ergänzen könnte oder sollte, um etwas mehr freies Kind zu leben. Oder wo ich auch anknüpfen kann und sagen: das habe ich früher mehr gemacht, das fehlt mir jetzt.

Jürg: Ja, ich stelle mir „Passung“ gerade bildlich vor. Ich kann ja auch mal ein Egogramm zeichnen, der beruflichen Rolle bzw. der Erwartungen. Was wird in dieser Funktion, sei das beruflich oder auch privat – wo auch immer – was wird da verlangt? Wird da viel kritisches Eltern-ich verlangt usw. dann nehme ich mein Egogramm und leg es drüber, da sehe ich dann wirklich, passt das einigermaßen? Wenn es große Abweichungen gibt, dann ist die Frage, was machst du damit? Geht das für dich noch so oder besteht eben Handlungsbedarf? Dass du sagst: da braucht es auch eine Veränderung meiner Situation. Da geht es nicht mehr nur um die persönliche Entwicklung sondern da besteht Handlungsbedarf an der Situation.

Wie nutzt du das Egogramm?

Christin: Mhm. Gut also das ist jetzt mal so ein Spektrum an Ideen, an Möglichkeiten, mit dem Egoramm umzugehen. Jetzt sind wir natürlich gespannt, wie ihr das Egogramm nutzt. Vielleicht auch schon genutzt habt, liebe Hörer. Da lässt sich vielleicht auch nochmal weiter diskutieren. Wie gesagt, schließen wir nächstes Mal auch noch mal mit dem Thema Veränderung an.

Jürg: Ja und nochmal kurz zusammengefasst, unsere drei Vorschläge:

  1. Akzeptiere den Ist-Zustand schau auf die Stärken, die mit deinem Egogramm verbunden sind
  2. Richte deinen Fokus auf das, das du stärken, entwickeln willst.
  3. Schau wie dein Egogramm zur Situation passt, in der du dich befindest und frage dich, ob allenfalls eine Veränderung der Situation angesagt ist.

Das sind unsere Punkte, vielleicht hast du noch andere Ideen. Oder nutzt das Egogramm auch noch anders, um Entwicklung zu unterstützen. Schreibe einen Kommentar. Du findest diese Episode auf transaktionsanalyse.audio/039 für die Episode 39.

Christin: Mhm.

Jürg: Wir sind sehr gespannt, zu hören beziehungsweise zu lesen, wie du persönlich das Egogramm nutzt.

Christin: Genau. Das heißt, wir freuen uns auf Kommentare und Diskussionen. Und guckt auch in die Shownotes, da sind Dokumente, Links, Formulare, Tests verlinkt.

Jürg: Jawohl, wunderbar. Dann hören wir uns schon bald wieder, auch nochmal zum Thema Entwicklung …

Christin: … und Veränderung …

Jürg: … und wünschen dir eine gute Zeit.

Beide: Bis dann…

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