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„Ich merke den Sog, ungefragt Tipps geben zu wollen“ – Dramadreieck in Aktion

Episode 041

Wir unterhalten uns mit unserem Gast, Steffen Raebricht, über das Dramadreieck und du erfähst auch noch, was  Bienen und die Transaktionsanalyse gemeinsam haben.


Shownotes


Unser Gespräch

Jürg: Herzlich willkommen …

Christin: Ja, guten Morgen.

Jürg: … zu unserer 41. Episode. Und es ist eine Premiere, wir haben nämlich einen ersten Interviewgast bei uns.

Christin: Genau, wir haben den Steffen dazugeschaltet – von Bali – und freuen uns sehr.

Steffen: Hallo.

Jürg: Hallo Steffen, herzlich willkommen in unserer Show, …

Steffen: Vielen Dank.

Steffen und die Bienen

Jürg: … in unserem Podcast. Der Steffen ist ja sehr aktiv im Internet. Vielleicht hast du, lieber Hörer, liebe Hörerin, ihn auch schon irgendwo gesehen oder von ihm gehört oder Videos gesehen. Er ist nicht nur im Internet aktiv als Online-Kursleiter und Online-Coach, sondern er ist auch noch Imker.

Jürg: Jetzt, Steffen, mal eine Frage im Vertrauen: wie kommst du zur Imkerei?

Steffen: (lacht) Erstmal vielen Dank, dass ich bei euch im Interview sein darf. Da freu’ ich mich sehr. Und zur Imkerei bin ich tatsächlich über einen Freund gekommen, einem Schamanen, der die Imkerei betreibt um das grössere Ganze zu verstehen. Also die Zusammenhänge in der Natur vor allen Dingen. Und das habe ich mir drei, vier Jahre angeguckt und dann habe ich mir gesagt: «Wenn ich es jetzt nicht mache, wann dann?» Und dann habe ich mich zum Imkerkurs in Berlin angemeldet und habe meine Bienen auf dem Balkon zum Imkern in Berlin. Und ernte da jedes Jahr eigenständig Honig.

Jürg: Und was machst du, wenn du in Bali bist, mit den Bienen?

Steffen: Ja, dann passt mein Imkerpate auf die Bienen auf.

Jürg: Ah, super.

Christin: Das heisst aber, da muss sich einer wirklich auch auskennen. Ich würde das jetzt nicht von dir übernehmen wollen, da auf den Balkon zu gehen. (lacht)

Steffen: Bietet sich auf jeden Fall an, dass das ein erfahrener Imker dann übernimmt. Und ja, deswegen vertraue ich da auch meinen Imkerpaten. Also derjenige, der mir das beigebracht hat. Und der betreut jetzt meine Bienen gerade, während ich auf Reisen bin.

Jürg: Gibt es irgendwelche Parallelen, von Bienen oder Imkerei zur TA?

Steffen: Ja, natürlich gibt es Parallelen, zum Beispiel, dass die Bienen drei Ringe auf dem Hinterleib haben.

Jürg: Ah, ja? Das sind drei?

Steffen: Ich behaupte es einfach mal.

Alle: (lachen)

Christin: Ja, vielleicht ist es auch wirklich mal was ganz anderes, also im Sinne eines Hobbys. Abschalten und sich mal woanders orientieren und hingucken.

Steffen: Ja, ansonsten lerne ich aber auch von den Bienen. Wenn ich mir … also … in meinem ersten Imkerjahr war es für mich interessant, Honig zu ernten. Und ich merkte, ab dem zweiten änderte sich das ganz entscheidend. Nämlich, dass ich eigentlich viel mehr vor dem Flugloch sass und mir die Bienen anschaute, wie die mit sich selbst interagieren. Und wenn man mit den Bienen arbeitet, also die ein bisschen nach ihrer Natur hält, dann ist ein Bienenvolk sehr friedlich und arbeitet … oder ist sehr gut mit sich selbst – sage ich jetzt mal – im Reinen und da sehe ich halt auch die Parallele zur Transaktionsanalyse: wenn ich selber mit mir gut bin, dann läuft die ganze Sache auch sehr rund bei mir. Das ist so …

Christin: Mhm.

Steffen: … diesen Vergleich kann ich sehr gut sehen.

Christin: Ja.

Steffen: Und beobachte mich dadurch, indem ich auch die Bienen beobachte.

Christin: Mhm.

Klärung der eigenen Tiefen

Jürg: Das gibt mir gleich das Stichwort für eine nächste Frage. Du schreibst auf deiner Webseite:

Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Mensch zuerst fortgeschritten in der Klärung seiner eigenen Tiefen sein sollte, bevor er sich mit denen von anderen befasst.

Weshalb weisst du, dass du dich, oder dass du deine eigenen Tiefen genügend geklärt hast?

Steffen: Das weiss ich, weil die Transaktionsanalyse Modelle anbietet, mit denen ich mich sehr gut selbst reflektieren kann. Beispielsweise das Dramadreieck bietet die Möglichkeit einmal der Selbstanalyse. Aber bietet halt auch Wege, wie ich mich reif und erwachsen verhalten kann. Und jedes Mal, wenn ich mich innerhalb des Dramadreiecks selbst erwische, dann weiss ich, ah, okay, hier gibt es vielleicht noch eine Arbeit zu tun. Und diese Arbeit, diese Klärung ist meiner Meinung nach jetzt zu einem Prozentsatz fortgeschritten, wo ich mir selbst zutraue, halt auch mit anderen zu arbeiten. Und das spiegelt mir meine Umwelt auch zurück.

Transaktionsanalyse: Das Drama-Dreieck in Aktion

eBook - Transaktionsanalyse: Das Drama-Dreieck in AktionChristin: Okay, ja. Das heisst, du hast schon ein bisschen was von dir und deiner persönlichen Tiefe und deinem Vorgehen erzählt. Jetzt sind wir vielleicht auch schon gleich beim Buch. Wie hast du denn den Titel gewählt? Oder weshalb hast du dieses Buch geschrieben? Es gibt ja schon sehr viele TA-Bücher. (lacht)

Steffen: Ich habe den Titel so gewählt, dass jeder, der sich für Transaktionsanalyse interessiert, sofort weiss, worum es geht. Also das Buch heisst ja „Transaktionsanalyse: Das Drama-Dreieck in Aktion“.

Christin: Mhm.

Steffen: Und mit diesem Titel möchte ich einfach deutlich machen, dass das Dramadreieck kein Theoriewerk ist, sondern dass das ein Buch für die Praxis ist. Das heisst, ich schreibe … die meisten Beispiele sind aus meinem eigenen Leben, die ich also selbst tatsächlich auch erlebt habe. Natürlich anonymisiert.

Christin: Mhm.

Steffen: Und ich beschreibe da viele Wege, die ich selbst in der Praxis durchlaufen habe und die für mich tatsächlich auch funktioniert haben. Also für mich ist das auch der Grund, weshalb ich das geschrieben habe. Für mich ist es ein Hands-on-Buch, mit vielen Beispielen, vielen Übungen. Es ist konkret und mir war es einfach ein Anliegen, das zu schreiben. Auch letztendlich für mich, weil ich mich selbst auch nochmal reflektiert habe.

Christin: Mhm.

Steffen: Und das Feedback, das ich auf das Buch bekomme, ist – kann ich sagen – durchaus positiv.

Christin: Okay, also es geht wirklich um Beziehungen und genügend Beispiele, in Beziehungen, so dass man sich da entlang hangeln kann. Und das finde ich das Charmante auch, sowohl an deinem Buch als auch im Umgang mit dem Dramadreieck. Das heisst, es ist einerseits hilfreich, viele Beispiele zu haben, und andererseits diese Theorie zu haben und das Dramadreieck für sich so im Kopf zu haben. Und ich fand das jetzt ganz schön, dass du auch gesagt hast, ich habe es im Kopf und gehe dann immer mal wieder durch.

Steffen: Auf jeden Fall, Christin, da bin ich ganz deiner Meinung. Also das Dramadreieck besteht ja aus drei Positionen: der Verfolger-Rolle, der Retter-Rolle und der Opfer-Rolle. Und es ist für mich einfach vorteilhaft, zu wissen, was meine sogenannte Lieblingsposition ist.

Christin: Ja.

Dramadreieck

Die Retter-Rolle im Dramadreieck

Steffen: Also das ist die Position, die ich bevorzugt besetze, um mich ins Drama einladen zu lassen oder andere einzuladen. Und bei mir ist das beispielsweise die Retter-Rolle. Wenn ich im Alltag unterwegs bin, gucke ich … oder habe ich Antennen ausgebildet für Einladungen in die Retter-Rolle.

Christin: Mhm.

Steffen: Also wenn jemand mir beispielsweise sein Leid klagt, dann ist das für mich gerne mal so eine Einladung gewesen, mal so einen ungefragten Ratschlag rauszuhauen. Und wenn mir heute jemand ein Leid klagt, dann gibt halt direkt mein Sensor an. Und ich reagiere da halt einfach anders. Also beispielsweise mit Empathie. Dann versuche ich mich in die Person einzufühlen und nachzuvollziehen wie es der jetzt wohl gehen mag. Ohne dass ich jetzt gleich einen guten Ratschlag parat habe.

Christin: Ja, Fragen stellen ist ja auch eine gute Option oder so, genau.

Jürg: Du hast jetzt gerade die Retter-Rolle angesprochen. Du schreibst ja auch – oder du listest in deinem Buch auch Lösungsansätze zu jeder Rolle auf. Beim Retter schreibst du zum Beispiel:

Übernimm’ keine Aufgaben, die du nicht wirklich tun willst!

Jetzt, wenn ich das so höre, frage ich mich, könnte das nicht auch egoistisch werden? Also dass du nur noch machst, was du tun willst. Wo ist denn da auch das soziale Engagement drin? Oder mal jemandem zu helfen, auch wenn ich gerade nicht Lust habe. Wie siehst du das? Oder wie meinst du das?

Steffen: Also es geht nicht darum, egoistisch zu sein. Es geht eher darum, dass ich auf mich selbst achte. Ich möchte das mal … ich habe gerade ein ganz aktuelles Beispiel dafür.

Jürg: Mhm, schön.

Steffen: Beispielsweise plant gerade ein Freund von mir ein 8-tägiges Ausbildungscamp, bei dem ich mich dazu bereit erklärt habe, einen Workshop über psychologische Spiele zu geben. Also das ist sozusagen mein Entgegenkommen, was ich auch wirklich gerne mache. Und jetzt hat mich dieser Freund noch gefragt, ob ich in unterstütze beim Werbevideodrehen. Und da ich mich ja durch den Online-Grundkurs Transaktionsanalyse auch ganz gut mit Videos auskenne, ist das für mich schon wieder so eine Einladung in den Retter zu gehen. Das heisst, eigentlich mich selbst auszubeuten. Oder da besteht die Gefahr, dass ich mich selbst ausbeute, indem ich zu viel mache von dem, was ich eigentlich nicht mehr machen will. Und da eine gute Balance zu finden zwischen «was bin ich bereit zu geben, aus dem Überfluss heraus» und «wo gebe ich was und schade mir dann damit letztendlich selbst und meiner Energie» – diese Balance gilt es halt zu finden, nach meiner Meinung.

Christin: Ja und das bringt auch so ein schönes Bild nochmal deutlich, dass es nicht so ein Entweder-oder ist, sondern eher so eine Bandbreite und ich immer wieder so hinterfragen, schauen, reflektieren kann: wo befinde ich mich jetzt auf dieser Bandbreite? Oder Skala?

Steffen: Ja.

Christin: Und ist es ein Zuviel oder ist es so eine Mitte, die auch rechts und links Platz hat und die ganz gut ist. Ja.

Steffen: Ja. Und ich bin tatsächlich auch weiterhin hilfsbereit. Ich habe mir zum Beispiel auch eine schöne Strategie zurechtgelegt. Das war, als ich noch in Berlin war. Wenn mich Leute gefragt haben, ob sie sich mal ein Buch von mir leihen können, dann habe ich denen gesagt: «Ja klar, mache ich sehr gerne. Schreib mir doch eine kleine SMS oder eine WhatsApp und dann bringe ich es dir beim nächsten Mal mit.» Und damit habe ich ein Stück weit die Leute eingeladen, auch selber noch einen ganz kleinen Beitrag zu leisten, zu sehen, dass die auch wirklich selbst engagiert sind. Und wenn ich dann beispielsweise keine Mitteilung bekommen habe, dann habe ich das Buch auch nicht mehr mitgebracht. Weil ich habe mich häufig dann letztendlich darüber geärgert, dass ich dann halt das Buch mitschleppe und dann muss ich fragen: «Wann kriege ich es dann wieder?» Und dann musste ich da hinterherlaufen und das ging mir dann gegen den Strich. Und mit dieser Lösung, also dass sie selber noch einen kleinen Beitrag dazu fordere, kann ich mich sehr gut aus dem Dramadreieck raushalten.

Jürg: Ah, interessant.

Christin: Toll.

Die Opfer-Rolle im Dramadreieck

Jürg: Jetzt haben wir mal so einen Punkt für die Retter-Rolle rausgepickt, da gibt es im Buch noch mehr. Wir möchten ja noch nicht alles verraten, damit du, lieber Hörer oder liebe Hörerin, das Buch vielleicht dir auch mal noch aneignest. Es steckt wirklich viel Gutes drin. Aber gehen wir mal noch zu den anderen Rollen, was hast du für einen Geheimtipp, für Leute, die die Opfer-Rolle bevorzugen?

Steffen: Die Opfer-Rolle ist ja letztendlich eine Rolle mit einer scheinbaren Unterlegenheit. Und ich sage mit Absicht scheinbar, weil Menschen die andere aus der Opfer-Rolle ins Dramadreieck einladen schaffen es erstaunlich häufig dann eine der scheinbar überlegenen Rolle einzunehmen – also sprich die Retter- oder die Verfolger-Rolle. Und was ich Menschen, die die Opfer-Rolle gerne einnehmen, empfehlen kann, wäre das Thema Selbstverantwortung. Was ich zum Beispiel gerne mache, ist mir zu überlegen, wenn ich also etwas erreichen möchte, was ist der höchste Preis, den ich bereit bin zu zahlen? Weil häufig haben Menschen in der Opfer-Rolle Angst, Entscheidungen zu treffen und was falsch zu machen, beispielsweise. Indem sich Menschen in der Opfer-Rolle überlegen: was ist das Schlimmste, das passieren könnte? Und bin ich bereit das auch zu tragen? Vielleicht auch mal experimentell, also einfach mal auszuprobieren. Könnten diese Menschen halt eine Entscheidung treffen und sich selbst wirksam erleben. Das wäre vielleicht eine Sache, die für Menschen in der Opfer-Position sehr aufschlussreich sein könnte. Wo sie dann vielleicht eine neue Erfahrung machen könnten, die sie vielleicht sehr viel weiterbringt im Leben.

Jürg: Ja, interessant. Vielleicht gleich hier auch einen Aufruf an dich, liebe Hörerin, lieber Hörer: wir haben ja die Möglichkeit Kommentare zu schreiben. Oder du hast die Möglichkeit. Und da wäre es mal spannend zu hören, wie du mit deiner Lieblingsrolle umgehst. Du hast jetzt von Steffen mal einen Hinweis erhalten, vielleicht hast du noch andere Strategien. Schreib doch die mal rein. Und dann können wir schauen was da alles zusammenkommt.

Steffen: Ich gebe auch gerne noch einen.

Christin: Ah ja, gut.

Steffen: Also ich gebe auch gerne nochmal eine schöne Sache, die vielen hilft. Sich selbst eine Prüffrage zu stellen. Zum Beispiel: «Wie würde ich das Problem angehen, wenn ich jetzt alleine wäre?» Oder: «Wie würde jemand das Problem angehen, der die Lösung des Problems kennt?» Und danach handeln.

Christin: Mhm.

Steffen: Das wäre auch noch eine Möglichkeit, sozusagen die Selbstwirksamkeitskräfte zu aktivieren.

Christin: Das finde ich schön. Das hatte ich jetzt gerade auch so in Gedanken. Dieses wirklich Verantwortung – nicht nur fürs Handeln, sondern auch schonmal für den Schritt davor, für die Gedanken – zu übernehmen. Weil dieses Opfer, diese Opferhaltung, kommt dann häufig auch aus Gedanken die schon vorweg gegangen sind. So: «Oh ich schaffe es nicht, ich kann es nicht.» Oder: «Die anderen können es ja viel besser.» Das finde ich auch nochmal ganz spannend. Und ich finde auch spannend, dass dieses Dramadreieck wirklich auf diesem Opfer steht, ja also es ist ja ein umgekehrtes Achtung-Zeichen, kann man auch sagen. Und das es diese Dynamik, erst über diese Opfer-Rolle wirklich auch bekommt.

Jürg: Mhm.

Die Verfolger-Rolle im Dramadreieck

Christin: Ja. Jetzt fragen wir dich aber gleich mal weiter, für den Verfolger. (lacht) Was gibts dafür Strategien?

Jürg: Wir wollen ja niemanden benachteiligen. (lacht)

Christin: Genau.

Steffen: Für Verfolger glaube ich, dass es sehr hilfreich sein kann, innere Verurteilung zunächst zurückzustellen. Also die gedanklichen Verurteilung zurückzustellen und sich selbst zu fragen: «Wie würde ich handeln, wenn ich die gleiche Geschichte wie der Mensch hätte, den ich jetzt eigentlich verurteilen möchte?» Und meine Erfahrung ist dahingehend – weil ich kenne mich auch ganz gut aus der Verfolger-Rolle – dass ich dann häufig kleinlaut geworden bin. Also für mich persönlich war es wirklich die schwerste Aufgabe, mich aus der Verfolger-Rolle auch auszuhalten, weil diese Position ist eine ganz offensichtlich überlegende Position. Also man stellt sich – oder ich habe mich dann auch wirklich über Leute gestellt und sagte: «Ja, ich kann das besser», beispielsweise.

Christin: Mhm.

Steffen: Und was es für Verfolger, glaub ich, braucht, ist, sich gesund zu schrumpfen und zu schauen: wie kann ich denn auf Augenhöhe mit dem Menschen mir gegenüber kommen? Und da ist diese Frage: «Okay, wie würde ich denn handeln, wenn ich die gleiche Geschichte, die gleichen Erfahrungen hätte, wie der Mensch, der vor mir ist und den ich gerade zu verurteilen suche?»

Jürg: Mhm.

Christin: Ja oder sowas auch wie … wahrscheinlich hat man dann so diese Idee von: «Wieso hast du nicht?» Oder: «Wieso macht er das nicht?» Eher auch nochmal die Frage anders zu formulieren und zu sagen: «Wie kam es dazu?» Oder: «Wieso hast du dich dafür entschieden?» Ich glaube da ist auch nochmal ein ganz interessanter Punkt.

Steffen: Mhm.

Ich bin ok, du bist ok

Jürg: Und wir haben jetzt zu jeder Rolle auch mal so eine mögliche Variante gehört, wie man damit umgehen kann oder eben nicht einsteigen kann. Du schreibst – ich zitiere nochmals aus deinem Buch – weiter vorne:

Für die Gestaltung von langfristig ausgeglichenen und freudvollen Beziehungen halte ich es für sehr erstrebenswert sich ein Menschenbild anzueignen, welches dem Selbst sowie den Mitmenschen einen positiven Wert zuspricht (+/+).

Also: ich bin ok, du bist ok. Ich denke da, wenn das gelingt, dann sind wir ja schon raus aus dem Dramadreieck. Die Frage, Steffen, an dich: hast du ein Beispiel aus deinem Leben, wo dir das gelungen ist, gerade auch in einer Konfliktsituation oder in einer anderen schwierigen Situation, weil dort steht man ja dann oftmals an. Hast du da irgendein Beispiel?

Steffen: Na klar habe ich da ein Beispiel. Ich kann direkt das Beispiel nehmen, von dem Freund, der dieses Ausbildungsprogramm oder dieses Ausbildungscamp plant. Wenn ich da beispielsweise mein Expertise für das Video direkt und ungefragt zur Verfügung stelle, dann habe ich ja beispielsweise die Vorannahme, dass ich es besser weiss oder besser kann als derjenige. Und indem ich mich auch aktiv zurückhalte und meine Einstellung dazu ändere, nämlich beispielsweise in: wenn mein Freund Hilfe braucht, dann wird er vielleicht nochmal fragen. Und ihm das auch wirklich zutraue, dass er auch alleine beispielsweise das Video erstellen kann, dieses Werbevideo. Da bleibe ich zum Beispiel in einer +/+ Haltung.

Jürg: Und wie gelingt dir das? Das braucht ja auch das bewusste Erkennen, dass du in Gefahr stehst, aus dieser +/+ Haltung heraus zu gehen. Wie erkennst du das? Oder wie gelingt dir das dann in der Situation selbst, das wahrzunehmen?

Steffen: Ich merke, den Sog, ungefragt Tipps geben zu wollen. Und an dieser Stelle setzt automatisch inzwischen – ja, setzt wirklich automatisch dieses Dramadreieck ein. Ich stelle mir die Frage: Okay, mache ich das jetzt aus einer Position heraus, die…? Also mache ich das jetzt eigentlich eher für mich, um mich besser zu fühlen? Um meine Expertise zu zeigen? Oder kann ich das auch zurückstellen? Oder kann ich den anderen so sein lassen, sowie er ist, auch wenn ich es vielleicht anders machen würde? Also dann merke ich … ich merke so ein Sog, jetzt aktiv werden zu wollen. Und dieses Aktivwerden, das überprüfe ich immer nochmal. Und dann komme ich häufig zu neuen Ergebnissen inzwischen.

Christin: Also dieses Unterscheiden zwischen Muster – was würde ich den normalerweise im Sinne eines Soges machen? Oder habe ich auch andere Möglichkeiten? Und das ich diese anderen Möglichkeiten jetzt … oder sagst du: «Ich habe inzwischen andere Möglichkeiten, ich habe eine grössere Bandbreite an Handlungsmöglichkeiten», und dass du die abprüfst und überprüfst.

Steffen: Ja genau. Sobald ich aktiv werden will, dann gibt es dieses Konzept aus der Alexandertechnik, das nennt sich inhibieren. Also halte ich an, was ich eigentlich machen will, und frage mich selbst nochmal: weswegen will ich das jetzt eigentlich machen?

Christin: Mhm.

Steffen: Und vergleiche das mit meinem inneren Referenzkonzept der Transaktionsanalyse: wenn ich das jetzt mache, wie wird sich das auswirken? Und das hilft mir eigentlich sehr viel, zu inhibieren, also anzuhalten, zu gucken: okay, was ist denn jetzt richtig? Und dann das Richtige zu machen, statt das gefühlt Richtige zu machen.

Christin: Mhm.

Jürg: Und das hat damit zu tun – und da sind wir auch wieder auch wieder bei dem, was wir am Anfang schon besprochen haben, wahrscheinlich -, dass du dich intensiv auch mit dir selbst auseinander gesetzt hast. Sonst wäre das wahrscheinlich gar nicht möglich.

Steffen: Davon gehe ich aus, also auf jeden Fall. Und ich bin sehr, sehr froh, dass ich diese Arbeit mache. Erstmal, weil die Arbeit Spass macht, mich selbst zu reflektieren. Und zweitens, weil es mir so unheimlich viel bringt für den Alltag, für meine Beziehung, Freunde, Familie. Ich merke ganz stetiges Auf in allen Beziehungsbereichen. Und ich weiss einfach durch diese Arbeit: es bleibt mir für den Rest meines Lebens erhalten und das finde ich einfach gut daran.

Christin: Mhm.

Jürg: Ja, schön…

Steffen trifft Stephen Karpman

Christin: Schön, jetzt nochmal eine Frage: wie war es Stephen Karpman zu treffen?

Steffen und Jürg: (lachen)

Steffen: Tatsächlich, der war ja neulich auf dem Weltkongress für Transaktionsanalyse in Berlin und ich wollte unbedingt mit Stephen Karpman persönlich sprechen. Also habe ich mir den Raumrausgesucht und bin zwei Stunden vorher in diesen Seminarraum gegangen und habe ihn dort ganz alleine getroffen, habe ihn dann gefragt, ob er was braucht. Und er wollte Wasser haben. Dann habe ich ihm Wasser gekauft und habe erstmal ein bisschen erzählt. Und das war wirklich eine sehr, sehr nette Begegnung und ich habe glücklicherweise auch das letzte Buch seines Dramadreiecks bekommen, was es gab. Also die waren ausverkauft.

Christin: Ah.

Steffen: Und ich habe sein Original bekommen, mit Widmung. Da habe ich mich jedenfalls sehr gefreut.

Christin: Schön.

Steffen: Das war wirklich eine tolle Begegnung.

Jürg: Bleibst du noch in Kontakt mit ihm?

Steffen: Ich hatte ihn ja letztes Jahr tatsächlich schonmal angeschrieben, als ich das Video-Lernmodul für den Onlinekurs erstellt habe. Und ich werde ihm wahrscheinlich nochmal eine Kopie meines Buches zukommen lassen, auch wenn es auf Deutsch ist. (lacht) Er kriegt auch eine Widmung von mir.

alle: (lachen)

Christin: Ein Austausch von Büchern. (lacht) Ja.

Jürg: Wir stellen auf unsere Internetseite zu diesem Beitrag auf jeden Fall noch das Bild, auf dem man dich mit Stephen Karpman sieht – als Beweis.

Christin: (lacht)

Stephen Karpman und Steffen Raebricht

Ein Angebot

Jürg: Ja gut, wir kommen langsam aber sicher zum Ende dieser Episode. Steffen, du hast eine Möglichkeit, jetzt noch einen letzten Werbeaufruf zu machen, für dein Buch. Weshalb sollte jemand dein Buch kaufen? Vor allem jemand, der sich bereits schon mit Transaktionsanalyse auskennt?

Steffen: Also zunächst erstmal für dich, lieber Hörer, wenn du Transaktionsanalyse interessiert bist und deine Lieblingsposition im Dramadreieck herausfinden möchtest: ich schicke dem Jürg einen Fragebogen, wo du den ankreuzen kannst, wo du dann, nachdem du den bearbeitet hast, deine Lieblingsposition bestimmen kannst. Das ist meiner Meinung nach eines der wichtigsten Sachen im Umgang mit dem Dramadreieck. Das Buch habe ich extra so geschrieben, dass es für Einsteiger geeignet ist, aber auch für Fortgeschrittene. Ich habe sehr viel … also alle mögliche Literatur herangezogen und auch erfahrene TA-ler zum Dramadreieck befragt, also die haben auch mitgearbeitet an dem Buch. Und ich glaube, dass es ein sehr kurzweiliges und umfangreiches Werk zum Dramadreieck ist. Was meiner Meinung nach Beziehungen auf jeglichem Level, sei es im beruflichem oder im privatem Kontext … es kann Beziehungen einfach meiner Meinung nach einen Sprung nach vorne bringen. Und zu guter Letzt: ich biete, oder ich schicke dem Jürg auch noch einen Rabattcode, da kannst du es dir ein bisschen günstiger kaufen, 50 Prozent.

Jürg: Ah, super.

Christin: Perfekt.

Jürg: Und die Zeit reicht aus, sich das Buch jetzt zu kaufen, zu lesen und dann, wenn du es gut findest – und davon gehe ich mal aus – hast du auch schon einige gute Ideen für Weihnachtsgeschenke.

Christin und Steffen: (lachen)

Steffen: Da habe ich noch gar nicht darüber nachgedacht, guter Einfall.

Jürg: Ja, siehst du …

Christin: Schwierig auf Bali jetzt erstmal … (lacht) Okay, dann vielen, vielen herzlichen Dank Steffen, dir.

Steffen: Ich danke euch für die Möglichkeit.

Christin: Gut.

Jürg: Ja, schön warst du dabei, wir freuen uns auf Kommentare zum Dramadreieck oder auch Fragen etc.

Christin: Genau.

Jürg: Wir freuen uns darauf.

Christin: Bis zum nächsten Mal.

Jürg: Ja, tschüss.

Christin: Tschüss.

Steffen: Tschüss.

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Steffen - 19. September 2017

Hallo ihr Beiden,

ich finde den Beitrag sehr gelungen. Auch die Einbindung finde ich sehr ansprechend. Klasse. 🙂

Viele Grüße
Steffen

Antwort

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